
Wenige Themen in der Geflügelzucht lösen so viele Debatten aus wie Haltungssysteme. Sollten Hühner in Käfigen oder in Freilandhaltung gehalten werden?
Beide Ansätze haben Vor- und Nachteile, und die Wahl hängt oft davon ab, wie Landwirte Effizienz, Tierschutz, Lebensmittelsicherheit und Verbrauchererwartungen abwägen.
Käfigsysteme, ob konventionell oder angereichert, wurden Mitte des 20. Jahrhunderts zum globalen Standard für die Eierproduktion. Sie wurden so konzipiert, dass Effizienz und Lebensmittelsicherheit maximiert werden, sodass eine große Anzahl von Hühnern in einer kontrollierten Umgebung gehalten werden kann. Diese Konsistenz führte zu einer hohen Eierproduktion und einer zuverlässigen Futterverwertung, während der reduzierte Kontakt mit der Einstreu dazu beitrug, das Risiko einiger Krankheiten und Parasiten zu senken. Die Sterblichkeitsraten in gut geführten Käfigsystemen sind oft niedriger als in alternativen Systemen, und tägliche Aufgaben wie Füttern, Tränken und Eiersammeln sind einfacher zu bewältigen.
Trotz dieser Stärken sind Käfigsysteme nach wie vor sehr umstritten. Käfige schränken konstruktionsbedingt das natürliche Verhalten der Vögel ein, etwa beim Staubbaden, Flügelschlagen, Futtersuche und Nisten. Dieser Mangel an Verhaltensfreiheit ist zu einem zentralen Wohlfahrtsproblem geworden, insbesondere da sich die Verbraucher zunehmend bewusst sind, wie ihre Lebensmittel hergestellt werden. Bewegungseinschränkungen wirken sich auch auf die Knochenstärke aus und können zu höheren Osteoporoseraten führen. In vielen Märkten werden herkömmliche Batteriekäfige aus dem Verkehr gezogen und entweder durch verstärkte Käfige mit Sitzstangen und Kratzflächen oder durch alternative Haltungssysteme ersetzt.
Die Produktion aus Freilandhaltung vermittelt ein ganz anderes Bild, das die Verbraucher stark anspricht. Vögel haben mehr Bewegungsfreiheit und Zugang zum Freien, sodass sie natürliche Verhaltensweisen wie Kratzen, Futtersuche und Staubbaden an den Tag legen können. Dies verbessert im Allgemeinen das Wohlbefinden und reduziert Stress, während mehr Aktivität stärkere Muskeln und Knochen unterstützt. Eier aus Freilandhaltung werden oft als gesünder oder nachhaltiger vermarktet, und Produkte aus diesen Systemen können auf dem Markt einen höheren Preis erzielen.
Für die Produzenten ist die Freilandhaltung jedoch nicht ohne Herausforderungen. Der Zugang im Freien erhöht das Risiko, Raubtieren, Parasiten und Krankheitserregern wie der Vogelgrippe ausgesetzt zu sein. Die Biosicherheit ist schwieriger aufrechtzuerhalten, und die Sterblichkeitsraten sind im Allgemeinen höher als in Käfigsystemen. Die Futtereffizienz wird oft reduziert, da Vögel mehr Energie für Aktivitäten und Futtersuche aufwenden. Wenn Außenbereiche nicht sorgfältig bewirtschaftet werden, kann die Ansammlung von Gülle außerdem zu Bodenverschlechterung und Nährstoffverschmutzung führen.
In der Diskussion zwischen Freilandsystemen und Käfigsystemen geht es letztlich um Kompromisse. Käfigsysteme zeichnen sich durch Produktivität, Biosicherheit und einfache Handhabung aus, werden jedoch kritisiert, weil sie den Tierschutz einschränken. Freilandsysteme entsprechen den Verbraucherwerten und Tierschutzstandards, erfordern jedoch ein sorgfältigeres Management, um Krankheiten und Umweltproblemen vorzubeugen.
Als Reaktion darauf suchen viele Hersteller und Forscher nach Alternativen wie Volierensysteme und angereicherte Käfige, die den Vögel mehr Platz und Möglichkeiten für natürliches Verhalten bieten und gleichzeitig einige der Vorteile einer kontrollierten Haltung beibehalten. Diese Hybridsysteme sind ein Versuch, Wohlbefinden, Effizienz und Nachhaltigkeit in Einklang zu bringen.
Im Zuge der Weiterentwicklung der Geflügelindustrie wird die Wahl des Haltungssystems auch weiterhin von der Verbrauchernachfrage, regulatorischen Änderungen und kontinuierlichen Fortschritten in der Managementtechnologie geprägt sein. Sensoren, Automatisierung und präzise Tierhaltung helfen den Produzenten bereits jetzt dabei, bessere Bedingungen aufrechtzuerhalten, unabhängig von der Art der Stallung. Letztlich besteht die Herausforderung für die Branche nicht darin, sich zwischen „Freilandhaltung“ oder „Käfighaltung“ allein zu entscheiden, sondern Wege zu finden, die besten Aspekte aus beiden zu kombinieren, um den Tierschutz zu schützen, die Effizienz zu gewährleisten und qualitativ hochwertige, nachhaltige Produkte zu liefern.