
Licht ist einer der stärksten Regulatoren des Lebens. Für Geflügel ist es mehr als nur eine Art zu sehen — es beeinflusst ihre Physiologie, ihr Verhalten und ihre Produktivität. Im Gegensatz zu Menschen, die hauptsächlich auf das Sehen durch die Augen angewiesen sind, nimmt Geflügel Licht auf überraschend komplexe Weise wahr. Dabei sind nicht nur die Augen, sondern auch spezielle lichtempfindliche Strukturen tief in ihrem Gehirn betroffen.
Hühner, Truthähne und andere Geflügelarten sehen die Welt ganz anders als Menschen. Während unser Sehvermögen auf drei Arten von Zapfenzellen in der Netzhaut basiert (Rot-, Grün- und Blauempfindlichkeit), haben Geflügel vier bis fünf Arten von Kegeln, einschließlich eines, das auf ultraviolettes (UV) Licht eingestellt ist. Das bedeutet, dass sie ein reichhaltigeres, lebendigeres Spektrum sehen als wir und subtile Markierungen auf Federn und Lebensmitteln erkennen, die für Menschen völlig unsichtbar sind.
Jede Zapfenzelle bei Geflügel ist außerdem mit einem farbigen Öltröpfchen gepaart, das wie ein Filter wirkt und die Farbunterscheidung schärft. Stellen Sie sich vor, Sie sehen die Welt durch eine eingebaute polarisierende Sonnenbrille — Geflügel hat diesen Vorteil jeden Tag.
Hier unterscheidet sich Geflügel am meisten von Menschen: Sie können Licht nicht nur durch ihre Augen wahrnehmen, sondern auch durch spezialisierte Photorezeptoren in ihrem Zirbeldrüse und Hypothalamus.
Aus diesem Grund können Farbe und Dauer der künstlichen Beleuchtung in Geflügelställen die Eierproduktion, die Fruchtbarkeit und sogar das Stressniveau beeinträchtigen.
Das Lichtspektrum beeinflusst Geflügel unterschiedlich:
Ohne UV-Strahlung können Hühner die Federfarben verzerrt wahrnehmen, was möglicherweise ihre soziale Interaktion innerhalb einer Herde verändert.
In der modernen Geflügelproduktion werden Lichtintensität, Dauer und Spektrum sorgfältig kontrolliert. Indem Landwirte natürliche Zyklen nachahmen oder sie strategisch anpassen, können sie das Wohlbefinden und die Effizienz verbessern. Beispielsweise kann die Bereitstellung von UV-Licht in Innenräumen Stress reduzieren und das natürliche Verhalten fördern, während die Umstellung auf rotes Licht beim Legen eine anhaltende Eierproduktion fördert.
Aber das wirft auch ethische Fragen auf — wie sehr sollten wir Licht manipulieren, um Produktivität zu erzielen, und wie sehr sollten wir einer natürlicheren sensorischen Umgebung für die Vögel Priorität einräumen?